Wahrhaftigkeit nach Wikipedia:
Nach Otto Friedrich Bollnow wendet sich die Wahrhaftigkeit nach innen, d.h. sie
lebt in der Beziehung des Menschen zu sich selbst: "Sie bedeutet die innere
Durchsichtigkeit und das freie Einstehen des Menschen für sich selbst. ... Eine
ehrliche Lüge ist etwas anderes als eine Unwahrhaftigkeit. ... Die
Unwahrhaftigkeit aber setzt da ein, wo der Mensch sich selbst etwas vormacht, wo
er auch sich selbst gegenüber nicht zugibt, dass er lügt, wo er sich die
Verhältnisse vielmehr so zurecht legt, dass er sich sich selbst gegenüber den
Schein der Ehrlichkeit wahrt. ... Viel gefährlicher aber wird es, wenn er sich
die Verhältnisse so zurecht legt, dass er seine Aussage und sein Verhalten
verantworten zu können glaubt. ..." (Otto Friedrich Bollnow, Wesen und Wandel
der Tugenden, zitiert nach Wickert, Das Buch der Tugenden, S. 233 f.)
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Und es begab sich vor nicht all zu langer Zeit, im Lenze anno Domini 2005. Da
begegnete zu Alt-Schweinfurt, draußen, wo der Weg einen hinführet nach
Niederwerrn, ein fahrender Ritter einem Edelfräulein, welches abstammte von
denen zu Scenna. Dem edlen schwarzen Heißgetränk, das kürzlich Venezianer über
den Ozean gebracht, wollt er sich ursprünglich widmen. Denn zur Zerstreuung
trägt es so mannigfaltig bei. Doch dacht er gleichwohl bei sich, mag es denn
Wert sein, um sie zu werben? Vielleicht hat sies gleich zu Beginn gemerkt, daß
jenes Ritters Aufmerksamkeit durch sie geweckt. Und mit geschicktem Verwirrspiel
sie den Ritter sich gefangen hat, um einerseits die heiß geliebte Freiheit, und
andrerseits des Ritters Gunst nicht zu verlieren.
Doch eines schönen Morgens die Ehrlichkeit ein Stelldichein sich gab. "Wohlan
mein edler Ritter, der Weg ist lang, ich muß ihn gehn, drum werde ich jetzt
weiter ziehn. Und auf dem Weg, da wartet schon ein anderer auf mich. So leb denn
wohl!", das Edelfräulein sprach und ward nicht mehr gesehn.
Der Ritter, vom Grame auch nur kurz gebeugt, er zog von nun an weiter durch die
Lande, denn auch sein Weg war nicht der Kürzesten einer. Doch wollte diese
traute Einsamkeit nicht lange währen. Denn wenig später, um aufs Neue die Gunst
des Reisenden sich zu erhaschen, war auch das Edelfräulein losgezogen. Mit
Liebkosungen und Küssen zum zweiten Male das verwirrende Spiel begann. Doch als
der Ritter erwacht war aus der Wiedersehensfreude, da rief er aus: "Bei meiner
Ehr, nicht mir soll Dieses widerfahren. Ein solches Spiel, das ist nicht recht,
mit mir kann mans nicht spielen!" So ritt er los, sein Lauf nach Süden hin ihn
führte, um zu beenden jenes bunte Treiben. Der Wahrhaftigkeit wollt er Gehör
verschaffen, und hat es auch getan.
So kam er bitterlich betrübt ob solcher Angelegenheit hernach an meinen Hof. Und
als mein Gast ich ihm versprach, daß solche Zuständ ich nicht dulden werd in
meinem Land. So befahl ich das gefehlte Edelfräulein sogleich ins ewige Exil, um
der Wahrhaftigkeit den Platz zu schaffen, welcher ihr von Hause aus gebührt.